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Wie die Hühner auf der Stange. Genau so dicht gedrängt, überwiegend weiblich und ähnlich gackernd. Frauen beim Friseur. Im Auftrag der Schönheit, oder so ähnlich.

Berlin, Montag vormittag, die Frisur hält.

Fiseurbesuche sind schön...Draußen suchen die Berliner immer noch hoffnungsvoll den Sommer, drinnen konzentriert man sich derweil auf fleißiges Geschnippel allerlei Haupthaar.  Man, in dem Fall Frau, besteht aus vier eifrigen Friseurinnen. Alle Mitte 20, brunett und in dezentem Schwarz gekleidet. Sie wenden Strähnchen, rühren Farbe an und schneiden Pony als gäbe es kein Morgen mehr.

Die Kundinnen sind allesamt gespannt. Die einen entspannt, die anderen angespannt. Nervöse Blicke der Angespannten werden mit triumphierenden der Entspannten ausgestauscht. Flüchtig, dabei im Versuch unauffällig zu wirken. Dennoch mit Signalwirkung.

Der Grund: die Einen haben Antworten die Anderen nicht. „Soll der Pony fransig geschnitten werden?  Lieber hell- oder aschblond? Darfs noch ein Zentimeter weniger sein?“ Fragen, die die Welt nicht bedeuten. Aber das ist hier egal. Hier gilt, wer zuletzt schneidet, den beißen die Kundinnen.

Im Laufe des Vormittags wird aus hellbraun blond, aus lang kurz und schließlich aus haariger Verzweiflung ein schüchternes Lächeln einzelner Haarjüngerinnen.

In professioneller Manier stehen die Friseurinnen anschließend an der Kasse und rechnen ab. Noch benommen torkelnd, erreichen anschließend die Kundinnen die Kasse. Das neu gewonnene Haarglück kaum fassend, gleitet wenigstens die Hand prüfend an den Kopf: Sitzt, ist fluffig und hat Luft.

Aus gackernden Hühnern werden wieder kleine Mädchen. Auch die noch so füllige Frau fängt nach dem Frisieren plötzlich an zu schweben.  Wie das hässliche Entchen zum Schwan gereift. Und sieht es auch noch so komisch aus, wie die Bewegungen der Frau fließender irgendwie eleganter werden, das Ego ist poliert. Und das ist auch gut so.

Warum auch nicht?

Ist doch eine tolle Sache, wenn man in der heutigen abgestumpften Wohlstandsgesellschaft noch mit kleinem Konsum Positives dem Menschen entllocken kann. Zwar nicht von all zu langer Dauer (so ein Haar wächst aber auch schnell!), aber immerhin.

Dafür freut sich der Friseur, wenn man bald wieder vor seiner Pforte steht. Wieder nervös die Haarsträhnen mit dem Finger umspielend.

Berlin, 2012, das Haar wächst.

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