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Berliner Großstadt LebenTüren fallen lautstark in ihre Schlösser. Kratzgeräusche ertönen. Ein lautes Poltern verkündet die Ankunft einiger Bewohner des Gülser Wegs. Der Geruch von gekochtem Kohl wabert in der Luft. Die Wellensittiche von dem Mieter in der zweiten Etage kreischen. Es ist Samstag am frühen Nachmittag in Berlin- Marzahn. Die Wohngegend hier ist anders als erwartet. Weniger Großstadt, dafür mehr Kleingärten und Einfamilienhäuser. Eine beschauliche Wohnsiedlung.

An diesem Tag der Woche geht es in der Nummer 43 lauter zu als sonst. Gefüllte Einkaufstaschen werden im Hausflur abgestellt. Bewohner warten gespannt auf den Briefträger. Grüße und Neuigkeiten werden ausgetauscht.

Mieter Schulze ist zufrieden. Der Busfahrer im mittleren Alter dirigiert die Bewohner des Hauses bevorzugt von links nach rechts und wieder zurück. Die optimale Warteposition der Mieter vor den Briefkästen ist sein Lebensglück. Schulze reckt seinen runden, haarlosen Kopf nach oben: ,, Organisation ist das halbe Leben! Wo wären wir, wenn hier jeder machen würde, was er will?!´´Der pummelige Schulze betritt die Kellertreppe und ist verschwunden.

Die Eingangstür schwingt auf. Der entstehende Luftzug lässt die warme Frühlingsluft draußen nur erahnen. Schulze mittlerweile im Keller über die wild abgestellten Fahrräder schimpfend, bekommt die Neuankömmlinge nicht mit. Schwer schnaufend stellt eine junge Mutter ihren Kinderwagen im Eingangsbereich ab. Ein kleines Kind wird aus dem Wagen gehoben, das andere ist noch im großen Neunmonatsbauch der eigentlich so zierlichen Frau. Sie hat Mühe, einen Schritt vor den anderen zu setzen. Schweiß perlt von ihrer Stirn. Die qualmende Zigarette zwischen ihren Fingern wird ab und an mit wahnsinnigem Genuss inhaliert. Wie ein Ertrinkender nach Luft schnappend. Links das Kind auf dem Arm, rechts das krebsbringende Genussmittel. Auf dem ersten Treppenabsatz dreht sie sich um. Ein gequältes Lächeln zeichnet sich auf ihrem Puppengesicht ab. Ein letzter Zug an der Zigarette und das Objekt der Begierde wird in Richtung Keller geworfen.

Mit einem leisen Plopp landet die Zigarette noch glimmend auf der Kellertreppe. Die junge Frau ist bereits in ihrer Wohnung verschwunden, während eine Tür in der ersten Etage aufschwingt. Frau Schulze betritt den Hausflur. Mit einer Schürze um die breiten Hüften und den Lockenwicklern im Haar, sieht sie aus wie eine Werbefigur aus den 70er Jahren. Gewissenhaft sucht sie jeden Absatz des Hauses nach ihrem Mann ab.

Ein Grollen ertönt. Herr Schulze rennt wild gestikulierend an seiner Frau vorbei, die sich bereits duckend an die Briefkästen drückt. ,, So ein Pack! Den werde ich es zeigen! Die Kippen hier einfach rumzuschmeißen!´´ ………………………………………………………………

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